Ev. - Luth. Gemeinde  "Zum Heiligen Kreuz"

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Auf ein Wort

Als   nun   Jesus   den   Essig   genommen   hatte,   sprach   er:   Es   ist   vollbracht!   und   neigte   das Haupt und verschied (Joh. 19,30). Was   meint   Jesus   mit   diesem   Satz:   „Es   ist   vollbracht“?   Er   kündigt   damit   an,   dass   sein   Tod unsere   Erlösung   besiegelt.   Die   Schmerzen,   der   qualvolle   Tod,   das   Gefühl   der   Verlassenheit durch   seinen   Vater,   sie   alle   haben   für   ihn   mit   dem   Tod   ein   Ende.   Dieses   Wort   ist   aber   nicht   nur ein   aufatmendes   Seufzen   –   nun   ist   es   endlich   überstanden   –   ,   sondern   Jesus   bestätigt   damit die Versöhnung Gottes mit den Menschen. Jesus   kam   wohl,   als   er   diese   Worte   gesprochen   hatte,   an   das   Ende   seines   Lebens.   Johannes berichtet,   dass   er   sein   Haupt   neigte   und   starb.   Trotzdem   ist   das   nicht   das   Ende   des   Sohnes Gottes,   denn   der   Tod   war   nicht   das   Ziel   seines   Lebens,   sondern   Mittel   zum   Zweck,   Mittel   zur Befriedung   der   Menschen   mit   Gott,   Mittel   zur   Freisetzung   der   Menschen   von   Sünde   und   deren Folgen,    dem    ewigen    Tod.    In    dem    Messias    Gottes    sind    alle    Verheißungen    des    Alten Testamentes   erfüllt,   u.   a.   die   aus   dem   Propheten   Jesaja:   „Fürwahr,   er   trug   unsere   Krankheit und   lud   auf   sich   unsere   Schmerzen.   Er   ist   um   unserer   Missetat   willen   verwundet   und   um unserer   Sünde   willen   zerschlagen.   Die   Strafe   liegt   auf   ihm,   auf   dass   wir   Frieden   hätten,   und durch seine Wunden sind wir geheilt.” Der   Evangelist   Johannes   zeigt   durch   seinen   Passionsbericht,   dass   hier   kein   Mensch   stirbt,   der zwar   das   Gute   wollte,   aber   mit   seinen Absichten   scheiterte,   sondern   hier   stirbt   der   Sohn   Gottes selbst.   Er   stirbt,   damit   wir   leben.   Er   stirbt,   damit   wir   sehen,   wohin   unsere   Wege   führen,   und damit    wir    von    diesen    Wegen    umkehren.    Er    stirbt,    damit    wir    frei    werden    von    unserem Irrglauben, wir könnten uns selbst erlösen, denn wir können Gottes Gebote nicht einhalten. Aber   Jesus   hat   alle   Anforderungen   des   Gesetzes   erfüllt.   Er   wurde   versucht   in   allen   Dingen, gleich   wie   wir,   und   blieb   dennoch   ohne   Sünde.   Die   Gebote   Gottes,   die   wir   nicht   einhalten können,   hat   er   eingehalten.   Das   Gesetz   der   Nächsten-   und   Feindesliebe,   das   wir   immer wieder   verletzen,   hat   er   gehalten.   Er   ist   nicht   gekommen,   um   das   Gesetz   und   die   Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen. Wir,   liebe   Brüder   und   Schwestern,   sollen   unser   Leben   an   Gottes   Maßstab   ausrichten,   nicht nach   eigens   zurechtgelegten   Maßstäben.   Wir   müssen   seine   Gebote   einhalten,   nicht   unsere eigenen   machen.   Uns   gelten   uneingeschränkt   das   „du   sollst”   oder   „du   sollst   nicht”   seiner Gebote;     unter     ihnen     steht     kein     „auf     Verhandlungsbasis“,     wie     wir     es     manchmal     bei Gebrauchtwagenanzeigen    lesen.    Es    gibt    keine    Verhandlungsbasis,    wir    können    nichts einbringen    zu    unserer    eigenen    Entlastung.    Wir    müssen    uns    schuldig    bekennen    vor    dem gerechten Gott, der keine Sünde duldet. Wir   sollen   nicht   bei   der   Sündenerkenntnis   stehen   bleiben;   wir   dürfen   auch   immer   wieder   das andere   tun,   was   Luther   als   konstitutiv   für   die   Beichte   formuliert   hat,   dass   wir   Vergebung   für unsere   Sünden   annehmen,   denn   durch   seinen   Tod   sind   wir   gerettet,   sein   Tod   ist   unser   Sieg, sein Tod schenkt uns das Leben. Mir persönlich, dir persönlich. Jesus   stirbt   in   dem   Moment,   als   im Tempel   viele   Passahlämmer   geschlachtet   werden.   Der   eine stirbt   für   alle   und   macht   zugleich   das   Opfer   vieler   Lämmer   überflüssig.   Jesus   ist   das   Opfer,   das stellvertretend   für   uns   gebracht   wird.   Nur   durch   das   Blut   dieses   einen   Lammes,   das   der   Welt Sünde trägt, werden wir gerettet, wird unsere Erlösung vollbracht.               Ihr Edmund Hohls